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 BKJ    Weitere Aktivitäten im Fachbereich Kooperationen und Bildungslandschaften



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Zusammenspiel

Ein Kooperationsprojekt der Stiftung Klavier-Festival Ruhr in Essen mit Schulen in Duisburg-Marxloh.

Was mit Musik-Workshops begann, hat sich bis heute zu einem „Laboratorium“ für Kulturelle Bildung etabliert: Kinder und Jugendliche aller Schulen in Duisburg-Marxloh sowie einer Förderschule im Süden der Stadt beschäftigen sich im Rahmen des Klavier-Festivals Ruhr Jahr für Jahr mit Musik des 20. Jahrhunderts. Möglich wird dies durch die über ein Jahrzehnt geübte Bündelung der Kräfte: Die Lehrer*innen setzen musische Bildung auf den Regelplan. Sie koordinieren die schul- und jahrgangsübergreifende Zusammenarbeit der Schulen. Lehramtsstudent*innen werden noch während ihrer Ausbildung in die Arbeit einbezogen und sammeln im Unterricht wertvolle Praxiserfahrung. Feste Beziehungen seien daraus erwachsen, so der Leiter der Grundschule Sandstraße Klaus Hagge. Eine gute Grundlage für gelingende Kooperationen und die Schärfung eines kulturellen Profils an den Marxloher Schulen.

Seit dem Jahr 2008 haben das Klavier-Festival Ruhr (KFR) und sechs Schulen das „Laboratorium“ für Kulturelle Bildung in Duisburg-Marxloh aufgebaut. Ziel der Initiative ist es, das Potenzial eines langfristigen „Zusammenspiels“ zwischen Menschen, Institutionen und Kunstformen produktiv zu nutzen und die beteiligten Schüler*innen dauerhaft und über schulische Grenzen hinweg zu fördern. Dabei begegnen sich Jugendliche mit und ohne Behinderung, Schüler*innen der Grundschule und vom Gymnasium, Kinder, die in Duisburg geboren wurden, und Kinder, die erst kürzlich nach Deutschland gekommen sind.

In der Schule spielt die Musik

Jedes Schuljahr beschäftigen sich mehrere hundert Kinder und Jugendliche mit der Musik- und Gedankenwelt eines*r oder mehrerer Komponist*innen. Am Jahresprojekt „Zusammenspiel“ sind über 600 Schüler*innen beteiligt. In unterschiedlichen Formaten (Unterrichtsreihen, wöchentlich stattfindenden Workshops, Projektwochen, AGs) singen, tanzen und improvisieren sie, erfinden auf Instrumenten eigene Musikstücke und entwickeln gemeinsam Choreografien. Bezugspunkte der künstlerischen Beschäftigung sind Klavierwerke von Debussy, Bartók und Ravel.

Die schöpferische Arbeit findet meistens im Rahmen der Unterrichtszeit statt und wird von multiprofessionellen Teams angeleitet (Bildende*r Künstler*in, Musiker*in oder Tänzer*in in Kooperation mit einem*r Lehrer*in  etc.). Am Schuljahresende präsentieren die Schüler*innen die erarbeiteten Musikstücke und Choreografien ihren Familien sowie dem Festivalpublikum. Unterstützt werden sie dabei von zwei Festival-Pianist*innen, die mit den Schüler*innen bereits im Vorfeld der Aufführungen eng zusammenarbeiten.

Kunst als Kommunikationsform

Der Stadtteil Duisburg-Marxloh ist geprägt von kultureller Vielfalt. Außerdem gibt es in den vergangenen Jahren immer mehr Kinder aus Neuzuwandererfamilien, die beim Schuleintritt kein oder kaum Deutsch sprechen. Die partizipativ angelegte Projektarbeit ermöglicht den Schüler*innen, mit verschiedenen Kunstformen gestaltend tätig zu werden und miteinander zu kommunizieren – unabhängig von ihren sprachlichen und körperlichen Fähigkeiten.

Entscheidend für die konkrete Ausgestaltung der Angebote sind die unterschiedlichen Rahmenbedingungen der Schulen und die Bedürfnisse der Schüler*innen und Lehrer*innen. Ihre Anregungen, Kritik und Wünsche, die in informellen Gesprächen und Evaluationen abgefragt werden, fließen kontinuierlich in die Projektentwicklung ein. Und auch die thematischen Schwerpunkte des Festivals versuchen an die Lebenswelt der Kinder anzuknüpfen, etwa durch die Bezugnahme auf Musik aus den Herkunftskulturen der Kinder.

Zusammenarbeit gestalten

„Zusammenspiel“ nahm im Jahr 2008 seinen Auftakt mit Workshops der Stiftung Klavier-Festival Ruhr (KFR) an der Ganztagsgrundschule Sandstraße. Die Schule ist eine dreizügige inklusive Grundschule, in der die Klassen eins bis vier jahrgangsübergreifend unterrichtet werden. Um die Schüler*innen möglichst optimal zu fördern, hat die Schule neben offenen Unterrichtsformen mit dem KFR ein starkes musisch-künstlerisches Profil entwickelt.

„Mit seinen Projekten möchte das KFR Kinder und Jugendliche bei der Entwicklung ihrer kreativen Fähigkeiten unterstützen und ihnen dauerhafte und vielfältige Zugänge zur Musik eröffnen. Deswegen setzt es auf die Entwicklung langfristiger Partnerschaften mit Schulen“, so die Stiftung. Aus einer Folge von Einzelprojekten ist eine ganzjährige, schulübergreifende Zusammenarbeit geworden. Ziel ist es, das kulturelle Profil der Schulen zu stärken und die in der kulturellen Bildungsarbeit entstandenen gemeinsamen Handlungsräume für die Entwicklung eines schulübergreifenden Bildungskonzepts zu nutzen.

Die Rolle in der Zusammenarbeit, die die verschiedenen Akteure übernehmen, variiert und orientiert sich an den unterschiedlichen Bedürfnissen und Möglichkeiten der Schulen. Wird an einer Schule Musik von Fachlehrer*innen unterstützt, steht die Stiftung beratend zur Seite. An anderen Schulen wiederum leiten auch Musikvermittler*innen des Kultur-Festivals Ruhr den Unterricht. „Zentral für das Gelingen der Zusammenarbeit sind der ständige Austausch zwischen Kultur-Festival Ruhr, Künstler*innen und Schulen und die regelmäßige Präsenz des Education-Teams vor Ort“, so die Stiftung. In den kommenden Jahren sollen Kooperationen mit Hochschulen und dem Zentrum für schulpraktische Lehrerausbildung geschlossen und damit der Transfer in die Aus- und Fortbildung von Lehrkräften gesichert werden.

Die Jury:

„Mit dem Projekt Zusammenspiel haben die beteiligten Akteure ein nachhaltig angelegtes „Laboratorium für Kulturelle Bildung“ in Duisburg-Marxloh geschaffen“, so die MIXED UP Jury. „Über schulische Grenzen hinweg wird hier die institutionen- und spartenübergreifende Zusammenarbeit langfristig gestärkt. Lehrer*innen, Künstler*innen und das Education-Team des Festivals arbeiten in multiprofessionellen Teams zusammen und entwickeln kulturelle Schulprofile im Kiez. Die geplante Ausweitung auf den Bereich der frühkindlichen Bildung sowie die Kooperation mit Hochschulen und „Zentren für schulpraktische Lehrerausbildung“ verdeutlicht, wie ernst die Kooperationspartner es meinen.“

Weitere Informationen:

Stiftung Klavier-Festival Ruhr, Essen
Ganztagsgrundschule Sandstraße, Duisburg
Grundschule Henriettenstraße
Elly-Heuss-Knapp-Gymnasium
Regenbogenschule
Buchholzer Waldschule
Herbert Grillo-Gesamtschule
Projekt-Homepage

Dokumentation:

Multimedia-Reportage

Fotos: Markus Feger, Stiftung Klavier-Festival Ruhr, Ursula Kaufmann (Stiftung Klavier-Festival Ruhr)


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