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Stranger than ...

Ein Kooperationsprojekt von Spielen in der Stadt e.V. (im Rahmen von CultureClouds), dem NS-Dokumentationszentrum und der Mittelschule an der Guardinistraße in München

Grau in Grau präsentiert sich den Zuschauer*innen die im NS-Dokumentationszentrum aufgebaute Bühne. Die Schüler*innen der achten Klasse stehen als Einzelkämpfer*innen positioniert in trister Kulisse. Schlicht gehaltene Requisiten, auf das Nötigste reduzierte Dialoge. Die Stimmung ist beklemmend, erdrückend. So muss es sich angefühlt haben, damals in Zeiten des Nationalsozialismus, als "aus Nachbarn Fremde wurden". In ihrem Bühnenstück "Stranger than …" machen die Jugendlichen spürbar, was Unterdrückung und Ausgrenzung bedeuten können. Sie berühren damit ein Thema, das in heutiger Zeit an Aktualität gewinnt.

Modelle mit Zukunft

Das Tanz-Theaterstück ist eine Gemeinschaftsproduktion der Mittelschule Guardinistraße, dem NS-Dokumentationszentrum und Spielen in der Stadt (SIS) e. V. Seit dem Jahr 2009 führt der Münchner Verein SIS kulturelle Kooperationsprojekte mit Ganztagsschulen und Partnern aus der Jugendhilfe, Kunst und Kultur durch. Zunächst im Rahmen des Netzwerks Ganztagsbildung, seit dem Jahr 2012 unter dem Dach des Modellprojekts "CultureClouds (CC) – Kreative Formen Kultureller Ganztagsbildung". Die institutionalisierte Zusammenarbeit zwischen Kunst und Kultur mit Schulen lässt sich auf diese Weise weiter intensivieren. Teamtreffen der Kulturpädagog*innen und Lehrkräfte, gegenseitige Hospitationen und gemeinsame Fortbildungen sichern die Qualität der Angebote.

Die strukturelle Verankerung macht es nicht zuletzt möglich, auch innovative Angebotsformen und -formate auszuprobieren: Die Schüler*innen der Ganztagsklassen nähern sich mit den verschiedenen künstlerischen Sparten – bildende Kunst, Theater, Tanz, Musik und Film – unterschiedlichsten Themen von gesellschaftspolitischer Relevanz. Angesprochen werden mit der Projektarbeit vor allem die Jahrgangsstufen 5 bis 9, gearbeitet wird oftmals klassenübergreifend.

Erinnerung als dauernde Begleiterin

An der Produktion "Stranger than …" wirkten über 21 Jugendliche aus neun Nationen mit – einige unter ihnen sind selbst vor Krieg und Terror geflüchtet. Gemeinsam wollten sie erforschen, wie sich junge Menschen in einer Ausgrenzungsgesellschaft verhalten. Was sind ihre Motive für ihre Handlungsweise? Antworten darauf fanden sie unter anderem in der Ausstellung im NS-Dokumentationszentrum sowie beim Besuch der KZ-Gedenkstätte Dachau. Sie recherchierten in Archiven und interviewten Zeitzeug*innen.

Das Tanz-Theaterstück bringt auf bedrückend anschauliche Weise ihre Forschungsergebnisse nahe. Es zeigt, was passiert, wenn die Gegenpole Isolation und Solidarität gegeneinander antreten und lässt den Vergleich zu: wie stand es damals und wie verhält es sich heute mit der Verfolgungs- und Ausgrenzungspolitik?

Die Jury:

"Eingebettet in eine langjährige Gesamtstrategie für kulturelle Ganztagsbildung zeigt das Projekt stranger than, welche besonderen Lernsettings entstehen, wenn sich verschiedene Bildungsakteure zu einem Kooperationsverbund zusammenschließen", begründet die MIXED UP Fachjury ihre Entscheidung. "Wir haben es hier mit einer langfristig angelegten und an den Bedürfnissen von Kindern und Jugendlichen* ausgerichteten Verankerung Kultureller Bildung im Ganztagsschulalltag zu tun. Zukunftsweisend ist zudem der praktizierte Ansatz mit Blick auf das Thema Erinnerungskultur."

Weitere Informationen:

Spielen in der Stadt e. V.
CultureClouds
NS-Dokumentationszentrum München
Mittelschule an der Guardinistraße, München

Fotos: Alexander Wenzlik