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Begegnung mit dem "Fremden"

Ein Kooperationsprojekt von Social land art project (Slap) e. V. und der Oberschule Bad Zwischenahn

Im Kurort Bad Zwischenahn geht es eher beschaulich zu. Außer dem Zwischenahner Meer gibt es weit und breit keine besonderen Attraktionen zu bestaunen. Oder? Khairolah aus Afghanistan würde dem vehement widersprechen. Er hat auf der Forschungsreise durch die Gemeinde überaus Verwunderliches entdeckt: zum Beispiel ein "Altenheim". Eine Gegenüberstellung von "Eigentümlichkeiten" der neuen und der alten Heimat zeigt eine Fotoausstellung, die er mit weiteren 14 jungen Geflüchteten vor dem Alten Kurhaus auf die Beine gestellt hat.

Forschungsreise durch das Ammerland

Sie sind erst kürzlich im Ammerland angekommen, die 14- bis 17-jährigen Geflüchteten aus Syrien, Afghanistan, Irak und Bulgarien. Sie besuchen die Sprachlernklasse der Oberschule Zwischenahn. Vor ihnen liegt jedoch nicht nur sprachlich zum Teil völlig unbekanntes Terrain, sondern auch geografisch, kulturell und sozial. In dem Projekt "Begegnung mit dem Fremden" nehmen es die Schüler*innen offensiv mit den Überraschungen ihrer neuen Heimat auf. Khairolah hat ein Altenheim "erforscht" und ältere Menschen dabei beobachtet, wie sie mit einem Rollator spazieren gehen. Das gibt es in Afghanistan nicht. Hier leben alte Menschen immer mit der Familie und werden von den Jüngeren begleitet und unterstützt. Aleksandar aus Bulgarien kennt bisher wilde Nutzgärten für Obst und Gemüse, aber keine Baumschulen, um Parks und Ziergärten zu gestalten. Quais findet die Esskultur im jetzigen Zuhause befremdlich. Gegessen wird in Afghanistan auf dem Boden.

Kontrastprogramm im Bild

Ihre Entdeckungen inszenieren die Schüler*innen auf von ihnen frei gestalteten "Bühnen": mit selbstgebauter Kulisse, an ungewöhnlichen Schauplätzen oder an einem realen Ort in Bad Zwischenahn. Dazu stehen ihnen alle künstlerischen Mittel zur Verfügung – ob Zeichnung, Collage, Modellbau oder szenisches Spiel. Ohne die Einheimischen läuft dabei nichts. Denn die Schüler*innen brauchen nicht nur ihre Einrichtungen, Gärten und Geschäfte als kulissengebende Schauplätze, sondern sie selbst werden auch als Statist*innen eingesetzt.

Jede Bühne wird abschließend fotografiert. Eine Aufnahme etwa zeigt Aleksandar, wie er mit drei Meter hohen Papierbannern mit deutschen und bulgarischen Schriftzügen an Bäumen im Park auf seine Ängste als Flüchtender aufmerksam macht; eine andere zeigt Quais und einen Mitschüler auf dem Boden sitzend in einer Bäckerei in Bad Zwischenahn. Die Fotografien der fünfzehn Künstler*innen waren zwei Wochen lang vor dem Alten Kurhaus zu sehen.

Neben den Erlebnissen der ästhetischen Forschungsreise können die Jugendlichen eine weitere Überraschung mitnehmen: Wie bei jeder Reise, bei der man sich intensiv mit der Umgebung vertraut macht, deren Besonderheiten entdeckt und neue Freundschaften knüpft, haben auch sie begonnen, sich in Bad Zwischenahn heimisch zu fühlen.

Die Jury:

Die MIXED UP Fachjury zeigt sich überzeugt von dem "impulsgebenden transkulturellen Interaktionsprozess, in dem über Methoden der ästhetischen Forschung alle Beteiligten gleichermaßen eingebunden und wertgeschätzt werden." Für Akteure in ländlichen Räumen biete das Projekt Begegnungen mit dem "Fremden" - Inszenierte Fotografie zudem wegweisende Impulse: "Vorhandene Ressourcen werden hier gut genutzt und die Potentiale der ländlichen Region in den Fokus gerückt."

Weitere Informationen:

Social land art project (Slap) e. V.
Oberschule Bad Zwischenahn

Fotos: Sabine Bley


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