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Generationen-Werkstatt Flingern-Süd
Foto: Jörg Thomas Alvermann
Foto: Jörg Thomas Alvermann
Foto: Petra Warrass
Foto: Petra Warrass

Eine Kooperation der Katholischen Grundschule Mettmanner Straße und Keywork – Soziale Plastik im Quartier e. V., Künstler/innen und weiteren Einrichtungen, Düsseldorf    

Zeit für sich zu haben und selbstbestimmt zu agieren, das bedeutet Freiraum. Freiraum bietet die Katholische Grundschule in Düsseldorf. Sie hat sogenannte Werkstätten eingerichtet, in denen die Kinder allein das Sagen haben. Die Räume der Generationen-Werkstatt sind an drei Nachmittagen in der Woche von 14:30 bis 16:30 Uhr für alle Kinder der Schule geöffnet. Der Besuch ist freiwillig, über die Dauer des Besuchs bestimmen die Kinder selbst.  

Die Räume sind im Sinne einer vorbereitenden Umgebung übersichtlich gestaltet und bieten vielfältige Möglichkeiten der künstlerischen, handwerklichen und forschenden Betätigung. In der Offenen Kunstwerkstatt bewegen sich die Kinder völlig frei: Sie entscheiden nicht nur selbstständig, wann sie kommen und gehen, sie wählen zudem aus, womit sie sich beschäftigen und was mit ihren Arbeiten nach Fertigstellung geschieht. Sie können sich aktiv beteiligen oder auch einfach nur zuschauen. Ähnliche Regeln gelten für die Holzwerkstatt. In der Forscherwerkstatt treffen die Kinder gemeinsame Absprachen über die aktuellen Projekte. Besonders beliebt bei ihnen ist es, nützliche Gegenstände für die Schule und ihr zu Hause herzustellen, zum Beispiel Möbel, aber auch eigene Kleidung oder Schmuck. Einige Unikate, wie Regale, Stühle und Tische, schmücken bereits die Klassenräume.  

In den Werkstätten arbeiten die Kinder wie Künstler/innen und Forscher/innen: Mit Neugier, Freiwilligkeit, „Selbstbeauftragung“ durch eigene Ideen und Motive. Sie nehmen sich Zeit, machen Fehler, halten inne, finden Neues oder Überraschendes heraus, ändern die ursprünglichen Pläne und stellen den Dialog, das Spiel und Experiment in den Mittelpunkt. Die Wünsche, Fragen und Motive der Kinder sind entscheidend für das aktuelle Angebot und die langfristige Weiterentwicklung der Werkstätten. Bildende Künstler/innen und freiwillig Unterstützende stehen den Kindern bei der Realisierung ihrer eigenen Werke und Projekte auf ihren Wunsch zur Seite.  

Mit der Generationen-Werkstatt reagiert die Schule auf einen gängigen strukturellen Trend der Offenen Ganztagsschulen: In der Regel verbringen Kinder zwischen dem Mittagessen und dem Schulende ihre Zeit in Betreuungsgruppen oder 90-minütigen AGs. Deren Besuch ist verpflichtend. Entgegen diesem starren System stellt die Schule den Kindern offene, von ihnen frei wählbare Lernfelder zur Verfügung. Die Generationen-Werkstatt etabliert einen Ort in der Schule, an denen Partizipation und Selbstorganisation dauerhaft ausgeübt werden können.  

Zur Umsetzung und Weiterentwicklung der Werkstätten ist im Stadtteil ein heterogenes Netzwerk entstanden. Es besteht aus engagierten Senior/innen, Künstler/innen, dem Keywork e. V., dem zentrum plus der Diakonie und dem Evangelischen Erwachsenen Bildungswerk (eeb nordrhein). Seit August 2015 öffnet die Generationen-Werkstatt sich weiter nach außen: An einem Nachmittag in der Woche können nach Schulschluss Helfer/innen der Werkstatt eigene Projekte umsetzen. An einem weiteren soll die Werkstatt interessierten Bürger/innen aus dem Stadtteil, insbesondere Flüchtlingen, die im Stadtteil untergebracht sind, zum gemeinsamen Werken, Fahrräderreparieren und zur Entwicklung neue Ideen offenstehen.    

„Beispielgebend ist, dass das durchstrukturierte System des Ganztags hier durchbrochen wird, indem es den Kindern die Entscheidung überlässt, ob, wann und wie lange sie aktiv werden möchten oder nicht,“ betonte die MIXED UP Fachjury. Es entsteht Freiraum – und ein Ort der Begegnung mit anderen Generationen und Themen.

 

Weitere Informationen

Keywork - Soziale Plastik im Quartier e. V.

Katholische Grundschule Mettmanner Straße

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