• Foto: Yvonne Most

 BKJ    Weitere Aktivitäten im Fachbereich Kooperationen und Bildungslandschaften



Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.


bkj.de
NACHRICHTEN >>
/// Ulrich Burow und Therese Jekili: „Wir sind es den Jugendlichen einfach schuldig“



Das angespannte Verhältnis zwischen Deutschland und der Türkei macht den Jugendaustausch zwischen beiden Ländern schwierig. Im Interview erklären Therese Jikeli und Ulrich Burow vom Hürther Albert-Schweitzer-Gymnasium, warum sie trotzdem unbedingt an der Zusammenarbeit mit ihrer türkischen Partnerschule festhalten wollen. 

BKJ: Die Rückbegegnung Ihres Projekts, mit dem Sie den MIXED UP Preis International gewonnen haben, konnte aus politischen Gründen nicht wie geplant in der Türkei stattfinden. Wie sind Sie und die beteiligten Schüler*innen mit dieser Situation umgegangen?

Therese Jikeli und Ulrich Burow. Foto: privat

Therese Jikeli: Ja, das war eine schwierige Situation. Wir hatte lange gehofft, die Reise doch noch realisieren zu können und beobachteten die Entwicklungen genau. Es gab einen Elternabend, wo die Situation kontrovers diskutiert wurde, sich aber alle Beteiligten in einem einig waren: Es sollte unbedingt eine zweite Begegnung geben.

Ulrich Burow: Ein zweites Treffen in Hürth, bei dem die deutschen Teilnehmer*innen erneut Gastgeber gewesen wären, wäre für unsere Gruppe nicht attraktiv gewesen. Auch für die türkischen Schüler*innen und ihre Familien war es traurig, dass wir nicht in die Türkei reisen konnten. Sie hätten uns so gern als Gastgeber empfangen. Angesichts der schwierigen Rahmenbedingungen sind wir bald auf die Idee gekommen, nach Berlin zu fahren: Dieser Ort ist so sehr eine Projektionsfläche von Träumen, historisch gesehen, aber auch aktuell, dass dies nahelag.

BKJ: Die Beschäftigung mit dem Thema „Träume“ könnte man vor dem Hintergrund der angespannten politischen Situation als Realitätsflucht deuten. Doch deshalb wurde das Thema bestimmt nicht ausgewählt. Können Sie beschreiben, was die gemeinsame künstlerische Auseinandersetzung mit diesem Thema bei den Schüler*innen ausgelöst hat?

Ulrich Burow: In der Tat suchen wir uns immer Projektthemen, die den interkulturellen Austausch in den Mittelpunkt stellen. Inwieweit die Jugendlichen diesen Rahmen mit politischen Inhalten füllen, ist ihnen überlassen. Zumindest in vielen Gesprächen der Jugendlichen untereinander wurde über die politische Situation in beiden Ländern gesprochen.

Therese Jikeli: Das Schöne an einem so persönlichen Thema ist, dass die Schüler*innen in einer ganz besonderen Weise miteinander in Kontakt kommen und schnell merken, dass die individuelle Vielfalt an Vorstellungen und Wünschen auf beiden Seiten sehr groß ist und ein Denken in nationalen Kategorien wenig hilfreich ist, um sein Gegenüber zu verstehen. Die Interviews haben das Projekt nochmal sehr bereichert, weil die Schüler*innen an einer gemeinsamen Sache gearbeitet haben – was natürlich sehr verbindet. Dabei waren die Schüler*innen sehr erstaunt, wie offen die Menschen z. T. über ihre Träume gesprochen haben. Besonders berührt hat die Schüler*innen ein Mann, der sich wünscht, dass sein Sohn endlich zu ihm ziehen kann.

BKJ: Werden Sie an der Zusammenarbeit mit der türkischen Partnerschule festhalten und in Zukunft weitere Austausch-Projekte initiieren?

Therese Jikeli: Unbedingt! Da sind wir uns mit unseren türkischen Kolleg*innen einig: Wir möchten die gemeinsame Projektarbeit fortsetzen, egal, was die Politiker*innen beider Länder sagen. In den Gesprächen mit den Schüler*innen wird immer wieder deutlich, dass die persönliche Begegnung ihnen einen neuen Blick auf die deutsch-türkischen Beziehungen eröffnet und sie erkennen, dass es „die Türken“ und „die Deutschen“ so nicht gibt.

Ulrich Burow: Ja, selbst wenn wir nächstes Jahr auch nicht in die Türkei fahren können und der türkischen Partnerschule immer mehr administrative Hürden in den Weg gestellt werden, möchten wir kommendes Jahr eine internationale Begegnung stattfinden lassen, wahrscheinlich an einem dritten Ort außerhalb Deutschlands und der Türkei. Wir sind es den Jugendlichen einfach schuldig, ihnen diese Begegnung zu ermöglichen. Je weiter beide Länder sich voneinander distanzieren, desto wichtiger – und im Ergebnis vielleicht sogar auf positive Weise überraschender – kann der Austausch werden.

Therese Jikeli und Ulrich Burow arbeiten als Lehrkäfte am Albert-Schweitzer-Gymnasium in Hürth bei Köln.

Weitere Informationen

Logo MIXED UP Bundeswettbewerb für kulturelle BildungspartnerschaftenDas Projekt „Museum der Träume“ ist ein Kooperationsprojekt der Filmemacherin Angelika Levi, dem Albert-Schweitzer-Gymnasium in Hürth und der Celal Toraman Anadolu Lisesi in Burhaniye/Türkei. Es wird am 29. November 2017 in Hannover mit MIXED UP Preis International ausgezeichnet. Zu ihren Träumen gestalteten Jugendliche vom Albert-Schweitzer-Gymnasium in  Hürth und von der Gesamtschule Celal Toraman Anadolu Lisesi in Burhaniye, Türkei, eine gemeinsame Ausstellung aus bildender Kunst und Musik.

MIXED UP Preis International 2017: Museum der Träume

Praxisforum und MIXED UP Preisverleihung am 29.11.2017 in Hannover

246 mal gelesen

nach oben | zurück



Diversität anerkennen
Inklusion umsetzen
Zusammenhalt stärken
Seite drucken | PDF der Seite erstellen | Seite empfehlen deliciousWhatsapp | Kontakt | Sitemap | Impressum | Datenschutz